February 2012
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es kommen bessere zeiten
wir können im park wieder spielen
es gibt keine türsteher mehr
mittags können wir uns schnaps holen
jeder darf die triangel spielen
jeder kann nach japan fliegen
keiner muss in dortmund wohnen
keiner muss ‘danke gut’ sagen
es kommen bessere zeiten
keiner muss geschirr an die wand werfen
keiner braucht mal eine auszeit
wir können die wolken verschieben
alleine heimgehen ist nicht schlimm
um 4 läuft nie wieder johnny cash
wir haben keine kaputten schuhe mehr
und essen keinen reis mit sojasoße
wir denken nicht mehr an den tod
wir sitzen nicht mit fieber in der bahn
niemand fragt nach dem ausweis
nie mehr entweder kaffee oder toast
es kommen bessere zeiten
aber sie sind nicht meine
die welt verändert sich also doch nicht wenn man in in sie hineinstarrt.
was für ein dreckstag. was für eine scheiße. bier.
ein kind von traurigkeit. ein kind der alten welt.
ich denk mir nichts dabei. ich dichte nichts dazu.
ich habe mich verskillt, wo ist der quickload-button?
in dieser stadt fühlt sich jeder wohl. studenten, radfahrer, beamte, opernliebhaber. in dieser stadt gibt es keine gewalt und keinen kiosk mit bier.
du hast gesagt ich muss es anders machen und mir fällt nichts ein. wenigstens armer dichter sein wär schön, doch dichten und armut kotzen mich an. ich mach den fernseher an, jemand sagt was über uns und ich mach ihn wieder aus. ich geh in einen raum, nimm einen schluck, schau mich um, schau auf mein handy und geh raus.
jemand hat mein fahrrad geklaut, naja ich laufe gern. zur brücke, zum kanal, zur kneipe und zurück. ich konnte mal mehr, aber ihr auch.
du sagst biochemie, ich sage interesse. du sagst beziehung, ich sage zweck. ich mache propaganda im englischen garten und die leute werfen ihre bierkrüge nach mir.
jetzt gehen mir die papes aus und alle werden sehen wie ich zum kiosk schwanken muss. ich hab dich so gern, ich weiß nicht wieso. es ist dumm nur zu warten, es ist dumm sich zu verstecken.
es ist nirgends sicher, es ist nirgends schön. schau sie an und warte dass sie zubeißt.
euer einfallsreichtum kotzt mich an
schön dass du noch jemanden kennst
der türsteher in einem club ist
sie steigt auf bis zu den häusern
an der s-bahn-station
wo die alten männer schreien
euer einfallsreichtum kotzt mich an
vergesst diesen imbiss nicht
in eurem blog zu erwähnen
ich laufe bis zum ende
der idee von mir selbst
zu der alten brücke
generationslos und nichtmal
nicht eingehaltene versprechen
habe ich bekommen
euer einfallsreichtum kotzt mich an
macht eine doku
über den penner an der ecke
schreibt eine doktorarbeit
über ausgrenzungsmechanismen
ihr macht euch nichts vor
es gibt immer leute
die ihr mehr bewundert als euch selber
es ist ja auch nicht einfach
mitfahrgelegenheit.de
den türken um die ecke
na klar
es gibt realitäten hier
die niemand sieht außer euch
aber ihr habt ja auch nur ein leben
was entdecken
checken
verrecken
Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floß
und fahren den Himmel hinunter?
Mein lieber Bruder, bald ist die Fracht zu groß
und wir gehen unter.
Mein lieber Bruder, wir zeichnen aufs Papier
viele Länder und Schienen.
Gib acht, vor den schwarzen Linien hier
fliegst du hoch mit den Minen.
Mein lieber Bruder, dann will ich an den Pfahl
gebunden sein und schreien.
Doch du reitest schon aus dem Totental
und wir fliehen zu zweien.
Wach im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt,
es rinnt uns der Sand aus den Haaren,
dein und mein Alter und das Alter der Welt
mißt man nicht mit den Jahren.
Laß dich von listigen Raben, von klebriger Spinnenhand
und der Feder im Strauch nicht betrügen,
iß und trink auch nicht im Schlaraffenland,
es schäumt Schein in den Pfannen und Krügen.
Nur wer an der goldenen Brücke für die Karfunkelfee
das Wort noch weiß, hat gewonnen.
Ich muß dir sagen, es ist mit dem letzten Schnee
im Garten zerronnen.
Von vielen, vielen Steinen sind unsre Füße so wund.
Einer heilt. Mit dem wollen wir springen,
bis der Kinderkönig, mit dem Schlüssel zu seinem Reich im Mund,
uns holt, und wir werden singen:
Es ist eine schöne Zeit, wenn der Dattelkern keimt!
Jeder, der fällt, hat Flügel.
Roter Fingerhut ist’s, der den Armen das Leichentuch säumt,
und dein Herzblatt sinkt auf mein Siegel.
Wir müssen schlafen gehn, Liebster, das Spiel ist aus.
Auf Zehenspitzen. Die weißen Hemden bauschen.
Vater und Mutter sagen, es geistert im Haus,
wenn wir den Atem tauschen.
(Ingeborg Bachmann)